Freie Museumssoftware

Stell Dir vor, Du betreibst ein Museum oder eine Sammlung: Du hast unzählige Ausstellungsstücke, Fotos, Abzeichen und Andenken, Festschriften und Berichte, Zeitschriften und Bücher, Kleidungsstücke, etc. aus Deinem Land und der ganzen Welt.

Immer wieder veranstaltest Du in Deinen Räumlichkeiten oder auch kurzfristig außerhalb Ausstellungen. Auch da wäre es interessant, diese zu dokumentieren, eventuell auch virtuell zugänglich zu machen und während der Ausstellung Hintergrundinformationen, vielleicht sogar einen Ausstellungsführer anbieten zu können.

Du hast dann auch noch das Problem, dass alle Initiativen haben: Du hast kein – naja sagen wir wenig – Geld/Budget.

Im Software-Bereich denkt man dann als erstes an Open Source Lösungen. Was gibt es da also für Museen? Ein erster Versuch, sich einen Überblick zu verschaffen.

Omeka

Omeka.net ist ein Projekt der Corporation for Digital Scholarship, die in Virginia sitzt. Omeka, https://Omeka.org, gibt es in zwei Geschmacksrichtungen:

  • Omeka Classic: nur Dublin Core, basiert auf dem veralteten Zend Framework 1.0 (PHP)
  • Omeka S: für Multisites, basiert auf Laminas (Zend 3.0) und bietet offenes SQL über den Doctrine Object Relation Mapper.

Beide kann man mit einem gratis Probeabo unter https://www.omeka.net/ testen. Omeka.net ist eine Hostingplattform, die Jahresabos zwischen 35 $ (für 2 GB) und 1.000 $ (für 50 GB) anbietet (Stand 2/2021).

Das Projekt wirkt sehr amerikanisch, es gibt ein sehr aktives Forum für Anwender und Interessierte und offensichtlich einiges an Rückhalt.

CollectiveAccess

Ein Katalogsystem für Sammlungen aller Art und eben auch Museen bietet die Open Source-Lösung (GPL v3) CollectiveAccess https://www.collectiveaccess.org. Die Lösung ist in den USA und Kanada weit verbreitet, in Europa vor allem in den Niederlanden aber auch in einigen deutschen Sammlungen im Einsatz.

Technisch gesehen benötigt man einen (möglichst dedizierten) LAMP- Server (z.B. CentOS oder Ubuntu), die Lösung läuft aber auch unter Windows (XAMPP) und MacOS (MAMP), was zum Testen und Entwickeln praktisch ist. Apache, NGNX, PHP 7, MySQL oder MariaDB, Imagick für die Bildbearbeitung – Komponenten, die heute meist Standard sind oder am Server nachinstalliert werden können, sind für den Betrieb nötig. Sympathisch.

Collection Space

CollectionSpace, https://collectionspace.org, ist mehr als ein CMS für Sammlungen oder Museen. Es wurde von nordamerikanischen und europäischen Experten entwickelt und durch die Andrew W. Mellon Foundation finanziell unterstützt.

LYRASIS, https://www.lyrasis.org, bietet dem Projekt ein Dach und serviciert mehr als 10.000 Bibliotheken, Sammlungen und Museen. Demos, Dokus und ein 30-tägiger Testaccount können einen Einblick in den Umfang dieses Museums-Management-Systems liefern.

Die „Community Events“ auf der Website irritieren mich etwas: das neueste stammt aus dem Jahr 2014, das ist dann schon eine Ewigkeit her und kein gutes Zeichen für eine lebendige Community. Bei der Roadmap der Software kommt man auf ein Trello Projektmanagement-Board aus 2019, das auch sehr jungfräulich wirkt und nur Ziele enthält.

CollectionSpace ist Open Source unter der Educational Community License (ECL) V. 2.0. Man kann das System entweder in der Cloud mieten (z.B. bei LYRASIS) oder selbst betreiben. Im letzteren Fall braucht man einen Apache Tomcat-Server für die Java-Lösung und darf sich auch vor der Command-Line nicht fürchten. Basis des Systems ist Nuxeo, ein offenes CMS.

Beratung: abakus digital

Die deutsche Initiative abacus digital, https://www.abacus-digital.de ist ein Dienstleister-Netzwerk für freie Museumssoftware.

Hier findet man Empfehlungen für freie Software (nicht unbedingt gratis wie Freibier) und viel Erfahrung in der Implementierung derselben. Ein Software-Überblick steht unter https://www.abacus-digital.de/software online.

Für mich mal die erste Anlaufstelle, um Informationen einzuholen. Ich werde weiter berichten.

PS.: Das Beitragsbild stammt von Jean Carlo Emer, https://unsplash.com/@jeancarloemer

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