Medienbiografie: Filmatelier am Pfadilager aja 1981

aja 1981 austrian jamborette

aja 1981 austrian jamborette

Am internationalen Pfadfinder/innenlager „aja – austrian jamborette“, 1981 beim Stift Rein bei Graz wurde ein Videoatelier angeboten. Damals war ich Begleitleiter einer Delegation der Wiener Pfadfinderinnengruppe 47, die polnische Gäste betreute.
Da ich keine eigenen Kinder mit hatte, meldete ich mich als Mitarbeiter des Videoateliers. Ich glaube, es war damals die einzige Aktion, die nicht von Pfadfinderführern geleitet wurde sondern man holte sich Experten aus dem Lungau.

Die kurzfristig gewonnenen Mitarbeiter wie ich wurde im Videodrehen und dem Ablauf eines Videoprojektes an einem Tag eingeschult – dann leiteten wir die zweitägigen Ateliers, wo im Kameraschnitt von den Jugendlichen selbst entworfene Filme geschaffen wurden.

Werbespot: „Schrumpfi Ultragrau“

Meine erste Gruppe war grenzgenial und drehte einen Waschmittelspot für „Schrumpfi Ultragrau“: Ein Logo wurde entworfen, Slogans gedichtet und dann die einzelnen Spielszenen am Lagerplatz gedreht, wo dann bald Wäsche herumhing und „Schrumpfi Ultragrau“ auf der Waschrumpel in Aktion gezeigt wurde. Geil war der Plot, wo ein Wäschermäderl ein weißes T-Shirt wusch – und dann mit dem verborgenen schwarzen T-Shirt tauschte. Mit Kamera, Stativ und Mikro erregten wir natürlich viel Aufsehen am Lagerplatz und hatten immer sofort Komparsen und Requisiten.

Internationale Produktion: „Lovestory“

Bei der 2. Gruppe waren die Ausgangsbedingungen doch etwas schwieriger: viele Finnen in der Gruppe, weshalb sofort von Deutsch auf Englisch gewechselt wurde. Allerdings waren die meisten Finnen auch des Englischen nicht mächtig, weshalb alles übersetzt werden mußte. Die Ideenfindungsphase zog sich nun ewig dahin. Langsam hatte man das Thema und Genre eingeengt und diskutierte bereits die Bilder. Aber der Gruppenprozess war zäh und die Kreativität wollte sich nicht entfalten und es entstand auch keine Geschichte…

Nach schätzungsweise 2 Stunden stand aber einer der Finnen, der vorher kaum etwas gesagt hatte, auf und präsentierte seine Filmidee:
Bub verliebt sich in Mädchen, sie trennen sich, sie telefonieren miteinander, dann sieht sie ihn auf der Straße, will über die Fahrbahn laufen, wird von einem Auto erfaßt und stirbt.

Alle sind sofort begeistert, da da auch vorher bereits geborene Ideen und Bilder mit verpackt sind – allerdings in einem neuen Zusammenhang.

Das Highlight ist die Unfallszene: Nur da übernimmt dieser finnische Pfadfinder selbst die Kamera. Einmal wird das Zufahren mit dem Auto geprobt und der Bremsweg getestet.
Dann wird die Szene aufgenommen – und vom Kameramann exakt zum richtigen Zeitpunkt abgeblendet: Der Zusammenstoß wirkt unvermeidlich.

Bei der Filmvorführung sind alle begeistert und eine Gruppenarbeit, die am ersten Tag in der Krise gesteckt hatte, wird doch noch sehr positiv abgeschlossen.

PS.: Es wurde damals auf Betamax aufgenommen. Die Filme hatte ich leider nie – einen Videorekorder hatte ich mir erst in den 90er-Jahren geleistet …

Kommentar von Christian vom 6. 4. 2011

Da fällt mir doch gleich eine Geschichte ein: wir drehten im Rahmen eines großen Projektes eine Folge des „7. Sinn´s“ nach (ein Spot im deutschen TV über Verkehrserziehung, ich kann nichts für den Beispielspot  – http://tinyurl.com/5t7nqom – von 1975, sorry). Bei uns ging es um richtiges und falsches Fahren mit dem Auto.

1. Einstellung: Falsch = zu schnell = Crash.

2. Einstellung: Richtig = Langsam = kein Crash.

Und wir drehten chronologisch … bis jemand fragte, wie wir nach dem Crash die Szene „Richtig“ mit einem demolierten Auto drehen wollten … Es war gerade noch rechtzeitig, sehr knapp! Und peinlich … peinlich knapp sozusagen …

Kommentar von Friederike Hellwig vom 6. 4. 2011

bin erstaunt, dass die jetzt bei PISA so erfolgreichen Finnen des Englischen nicht mächtig waren – hat sich das dort so verbessert oder jagen wir bei der Schulreform, wie ich ohnehin vermute, einem Phantom nach? Die jagd erfolgt allerdings eh im Zeitlupentempo…. ein Schritt vor, 2 zurück – solang bis wir bei der Keilschrift anlangen.

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